Zisternen-Zenzi

Lohnt sich eine Zisterne? Rechnung mit echten Zahlen

Ob sich eine Zisterne rechnet, hängt an wenigen Zahlen: wie viel Regenwasser du wirklich nutzt, was dein Trinkwasser kostet und was die Anlage kostet. Zwei Beispiele zeigen, wie weit Gartennutzung und Hausnutzung auseinanderliegen.

Stand: 7. November 2026

Die drei Stellschrauben

  1. Genutzte Menge: Nicht der Regen auf dem Dach zählt, sondern das Wasser, das du tatsächlich statt Trinkwasser verbrauchst. Läuft die Zisterne über, spart das nichts.
  2. Was ein Kubikmeter spart: mindestens den Mengenpreis für Trinkwasser. Die Grundgebühr bleibt. Ob auch Abwassergebühr wegfällt, hängt an deiner Satzung und an der Nutzung.
  3. Kosten: Tank, Erdarbeiten, Filter, Pumpe, Leitungen, bei Hausnutzung auch die Regenwasserzentrale und das zweite Leitungsnetz. Dazu Strom und Wartung. Was das einzeln kostet, steht unter Zisterne: Kosten.

Das Bayerische Landesamt für Umwelt nennt für eine Anlage lediglich „wenige Tausend Euro“, je nach Eigenleistung und Speichergröße. Genauer lässt sich das nur mit Angeboten für dein Grundstück sagen. Deshalb drehen wir die Frage unten um: Wie viel darf die Anlage kosten, damit sie sich bezahlt macht?

Die Annahmen

Beide Beispiele liegen in Frankfurt am Main. Dort fallen laut DWD-Mittel 1991–2020 rund 630 mm Regen im Jahr. Wir rechnen mit den Kennwerten, die auch der Zisternen-Rechner nutzt:

  • Ziegeldach, Ertragsbeiwert 0,75, Filterverlust 10 %
  • Garten: 60 Liter je m² und Jahr, verteilt auf April bis September
  • WC mit Spartaste: 8,8 m³, Waschmaschine: 4,4 m³ je Person und Jahr
  • Monatsbilanz: Der Speicher füllt sich bei Überschuss und leert sich bei Bedarf

Beispiel 1: nur Garten

Einfamilienhaus, 120 m² Dach am Tank, 300 m² Garten, keine Nutzung im Haus.

Ertrag vom Dach51,0 m³/Jahr
Bedarf Garten18,0 m³/Jahr
Empfohlene Tankgröße3.000 l
Genutzt (Monatsbilanz)18,0 m³/Jahr

Das Dach liefert fast dreimal so viel, wie der Garten braucht. Mehr als 18 m³ kannst du aber nicht sparen, egal wie groß der Tank ist. Die Monatsbilanz rechnet mit Mittelwerten. In echten Sommern mit langen Trockenphasen ist der Tank zwischendurch leer, die Ersparnis fällt dann etwas niedriger aus.

Beispiel 2: Haus und Garten

Vier Personen, 150 m² Dach, 300 m² Garten, Regenwasser für WC und Waschmaschine.

Ertrag vom Dach63,8 m³/Jahr
Bedarf Haus52,8 m³/Jahr
Bedarf Garten18,0 m³/Jahr
Empfohlene Tankgröße6.500 l
Genutzt (Monatsbilanz)63,8 m³/Jahr (90 % des Bedarfs)

Hier wird der Regen fast vollständig genutzt, weil im Haus das ganze Jahr Wasser gebraucht wird. Die gesparte Menge ist rund 3,5-mal so groß wie im Gartenbeispiel.

Was das in Euro bringt

Trinkwasser kostet je nach Ort sehr unterschiedlich. Die Berliner Wasserbetriebe nennen ab 2024 einen Mengenpreis von 1,813 € je m³ brutto. Andere Versorger liegen darunter oder deutlich darüber. Wir rechnen deshalb mit einer Spanne. Deinen Wert findest du auf der Wasserrechnung.

TrinkwasserpreisBeispiel 1: GartenBeispiel 2: Haus + Garten
1,86 €/m³33 € / Jahr119 € / Jahr
2,00 €/m³36 € / Jahr128 € / Jahr
2,35 €/m³42 € / Jahr150 € / Jahr
3,00 €/m³54 € / Jahr191 € / Jahr

Nur ersparter Trinkwasser-Mengenpreis. Strom für die Pumpe und Wartung sind nicht abgezogen. 1,86 € (NRW) und 2,35 € (Sachsen) sind Landesdurchschnitte 2025 der Statistischen Landesämter; 2,00 € ist unser Standardwert, 3,00 € ein Rechenwert für teure Versorger.

Abwasser und Niederschlagsgebühr

Beim Gießen kann zusätzlich Abwassergebühr wegfallen. Viele Gemeinden berechnen Schmutzwasser nach dem Frischwasserverbrauch. Gießt du mit Leitungswasser und hast keinen eigenen Gartenwasserzähler, zahlst du für das Gießwasser also auch Abwasser. Mit Regenwasser entfällt beides. Die Stiftung Warentest rechnet für diesen Fall mit 5 € je m³ inklusive Abwasser und nennt eine typische Spanne von 4 bis 6 €. Dann bringt Beispiel 1 rund 90 € im Jahr. Hast du einen Gartenwasserzähler, gilt nur der Trinkwasserpreis aus der Tabelle.

Regenwasser im WC und in der Waschmaschine geht dagegen in den Kanal. Die meisten Gemeinden berechnen es deshalb als Schmutzwasser, über einen Zähler oder eine Pauschale. Hier sparst du also nur den Trinkwasserpreis. Mehr dazu unter Regenwasser für WC und Waschmaschine.

Anders bei der Niederschlagsgebühr: Viele Städte rechnen Zisternen an. Stuttgart zum Beispiel zieht je Kubikmeter Zisterne 20 m² der angeschlossenen Fläche ab, höchstens die Hälfte, bei 0,76 € je m² und Jahr (2026). Mit 6.500 Litern und 150 m² Dach wären das in Beispiel 2 75 m² und rund 57 € im Jahr. In Berlin liegt die Niederschlagsgebühr bei 1,809 € je m², dort hätte jeder angerechnete Quadratmeter rund das 2,4-Fache wert. Wie andere Städte rechnen, steht unter Niederschlagsgebühr senken.

Wie viel darf die Anlage kosten?

Statt eines erfundenen Pauschalpreises zeigt die Tabelle, wie viel die Anlage höchstens kosten darf, damit die Ersparnis sie in einer bestimmten Zeit wieder einspielt. Grundlage: 2,00 € je m³, in Beispiel 2 zusätzlich die Stuttgarter Gebührenersparnis. Zinsen, Preissteigerungen, Strom und Wartung sind nicht berücksichtigt.

bezahlt nachBeispiel 1: Garten (36 €/Jahr)Beispiel 2: Haus (185 €/Jahr)
15 Jahren540 €2.769 €
20 Jahren720 €3.692 €
25 Jahren900 €4.614 €

Für den Garten bleibt also wenig Spielraum. Ein Erdtank mit rund 3.000 bis 4.500 Litern kostet bei Baumärkten im November 2026 schon ohne Einbau rund 1.000 bis 1.600 € (Beispiele unter Kosten). Mit bezahltem Bagger und Fachbetrieb dauert es entsprechend lange, bis die Anlage sich trägt. Mit Eigenleistung, einem kleinen Tank oder einer Förderung sieht es besser aus.

Für das Haus ist der Rahmen deutlich größer. Dafür kommen Kosten hinzu: eine Regenwasserzentrale mit Trinkwassernachspeisung, ein zweites Leitungsnetz und die Arbeit eines eingetragenen Installateurs. Bei einem Neubau fällt das zweite Netz leichter, weil die Leitungen ohnehin verlegt werden.

Was die Stiftung Warentest sagt

Die Stiftung Warentest hat am 9. Mai 2026 durchgerechnet, wann sich Regentonne und Zisterne für den Garten lohnen. Ihr Fazit in Kurzform: Kleine, günstige Tonnen rechnen sich schnell, „Zisternen rechnen sich selten“. Die Tester gehen von 5 € je m³ inklusive Abwasser aus:

SpeicherKostenersetzt je SaisonErsparnis/Jahrbezahlt nach
Regentonne 200 lca. 50 €ca. 5.000 lca. 25 €ca. 2 Jahren
Tank 1.000 lca. 300 €ca. 10.000 lca. 50 €ca. 6 Jahren
Zisterneab ca. 1.000 € plus Einbauca. 20.000 lca. 100 €selten

Werte der Stiftung Warentest, Artikel vom 09.05.2026 (aktualisiert 12.05.2026).

Das passt zu unserem Gartenbeispiel: 18 m³ im Jahr bei 5 € je m³ ergeben rund 90 €, bei reinem Trinkwasserpreis entsprechend weniger. Zwei Punkte gehören zur Einordnung dazu. Erstens betrachtet der Artikel nur das Gießen. Mit WC und Waschmaschine wird ein Vielfaches genutzt, das sehen auch die Tester als den Fall, in dem eine Zisterne wirtschaftlich werden kann, vor allem wenn sie beim Hausbau mit eingeplant wird. Zweitens fehlen Förderung und Niederschlagsgebühr. Beides hängt vom Ort ab und kann die Rechnung deutlich verschieben. Prüfe es deshalb vor der Entscheidung.

Was außer Geld zählt

  • Unabhängigkeit im Sommer: Schränkt deine Gemeinde bei Trockenheit das Gießen mit Leitungswasser ein, kannst du mit einer Zisterne weiter gießen, solange Wasser im Tank ist. Ob die Allgemeinverfügung auch Regenwasser erfasst, steht in der jeweiligen Bekanntmachung.
  • Weiches Wasser: Regenwasser ist kalkfrei. Pflanzen vertragen es gut, in der Waschmaschine brauchst du weniger Waschmittel. Wilo nennt in einem Referenzprojekt 30 bis 45 % Ersparnis beim Waschmittel, je nach Härte des ersetzten Wassers.
  • Rückhalt bei Starkregen: Ein Tank nimmt Regen auf, der sonst sofort im Kanal landet. Manche Förderprogramme zahlen dafür extra.

Kurz gesagt

  • Garten allein: rechnet sich vor allem mit Eigenleistung, kleinem Tank, Förderung oder Gebührenvorteil.
  • Haus und Garten: spart ein Vielfaches, kostet aber auch mehr. Am günstigsten im Neubau.
  • Prüfe zuerst Förderung und Niederschlagsgebühr an deinem Ort. Sie entscheiden oft mehr als der Wasserpreis.

Mit deiner Postleitzahl, Dachfläche und deinem Wasserpreis rechnet der Zisternen-Rechner die Werte für deinen Fall aus. Wie wir rechnen, steht in der Methodik.

Häufige Fragen

Ab wann lohnt sich eine Zisterne?

Eine feste Grenze gibt es nicht. Entscheidend sind die genutzte Wassermenge, dein Trinkwasserpreis und die Kosten für Tank und Einbau. Nur fürs Gießen spart eine Anlage in unserem Beispiel rund 36 € im Jahr, mit WC und Waschmaschine rund 128 €. Förderung und eine niedrigere Niederschlagsgebühr verkürzen die Zeit, bis sich die Anlage bezahlt macht.

Spare ich mit Regenwasser auch Abwassergebühr?

Beim Gießen oft ja, wenn du keinen Gartenwasserzähler hast, weil die Schmutzwassergebühr meist nach dem Frischwasserverbrauch berechnet wird. Beim WC und der Waschmaschine in der Regel nicht. Das Wasser aus WC und Waschmaschine landet im Kanal und wird als Schmutzwasser berechnet, oft über einen eigenen Zähler oder eine Pauschale. Du sparst also vor allem den Trinkwasserpreis. Die Regeln stehen in der Abwassersatzung deiner Gemeinde.

Lohnt sich eine Zisterne nur für den Garten?

Finanziell eher selten, wenn der Einbau Geld kostet. Ein Garten braucht nur im Sommer Wasser, im Beispiel sind das 18 m³ im Jahr. Günstiger wird es mit Eigenleistung, einem kleinen Tank, Förderung oder einer Gebührenersparnis. Dazu kommen Vorteile ohne Preisschild, etwa weiches Gießwasser und Reserven im Sommer.

Welchen Trinkwasserpreis soll ich ansetzen?

Den Mengenpreis von deiner Wasserrechnung, inklusive Mehrwertsteuer, ohne Grundgebühr. Die Grundgebühr zahlst du auch mit Zisterne weiter. In Berlin waren es 2024 zum Beispiel 1,81 € je Kubikmeter brutto. Der Rechner auf der Startseite übernimmt deinen Wert.