Zisternen-Zenzi

Überlauf der Zisterne: Kanal, Mulde, Rigole oder Schacht

Jede Zisterne läuft irgendwann über. Das überschüssige Wasser muss geordnet weg: in den Kanal oder in eine Versickerung auf dem Grundstück. Was dabei erlaubt ist, regelt das Wasserrecht deines Bundeslands, nicht das Baurecht.

Stand: 7. November 2026

Die vier Wege für den Überlauf

WegWie er funktioniertPasst, wennBeachte
KanalÜberlaufrohr zum GrundstücksanschlussVersickern nicht möglich oder nicht erlaubtRückstausicherung, Niederschlagsgebühr bleibt meist
MuldeFlache, begrünte Senke; Wasser sickert durch den OberbodenPlatz im Garten, durchlässiger BodenBevorzugte Form, in mehreren Ländern erlaubnisfrei
RigoleUnterirdischer Kies- oder Kunststoffkörper speichert und gibt abWenig Platz an der OberflächeOhne Bodenpassage: strengere Regeln, oft Erlaubnis nötig
SickerschachtSenkrechter Schacht in tiefere, durchlässige SchichtenOben dichter Boden, darunter Kies oder SandGrößerer Grundwasserabstand, häufig erlaubnispflichtig

Allgemeine Beschreibung. Welche Lösung passt, hängt von Boden, Grundwasserstand und Landesrecht ab.

Das Bayerische Landesamt für Umwelt empfiehlt, den Überlauf einer Regenwasseranlage möglichst vor Ort versickern zu lassen. Wo das nicht geht, bleibt der Kanal.

Überlauf in den Kanal

Am einfachsten führst du das Überlaufrohr zum Grundstücksanschluss. Die Wilo-Planungsunterlage nennt dafür diese Punkte:

  • Querschnitt: Der Überlauf ist mindestens so groß wie der Zulauf und liegt tiefer als dieser.
  • Rückstau: Bei Starkregen kann Wasser aus dem Kanal zurückdrücken. Als Rückstauebene gilt in der Regel die Oberkante der Straße bzw. der Schachtabdeckung. Bei Anschluss an einen Regenwasserkanal genügt ein Rückstauverschluss. Bei einem Mischwasserkanal mit Rückstaugefahr ist eine Hebeanlage nach DIN 1986-100 erforderlich, sonst gelangt Abwasser in den Tank.
  • Siphon und Kleintierschutz: Ein Geruchsverschluss hält Kanalgase fern, ein Kleintierschutz am Rohr Ratten und andere Tiere.

Für die Gebühr bleibt die Fläche angeschlossen. München etwa berücksichtigt eine Zisterne nur, wenn ihr Notüberlauf an eine Versickerung angeschlossen ist. Andere Städte rechnen auch mit Kanalüberlauf einen Teil an. Rechenbeispiele unter Niederschlagsgebühr senken.

Versickerung auf dem Grundstück

Regenwasser zu versickern, ist wasserrechtlich eine Benutzung des Grundwassers. Nach §§ 8 und 9 des Wasserhaushaltsgesetzes braucht das grundsätzlich eine Erlaubnis. Mehrere Länder stellen das Versickern von Dachwasser aber per Verordnung oder Gesetz frei. Die Bedingungen ähneln sich:

  • Nur Wasser, das nicht vorher genutzt oder mit Abwasser vermischt wurde, von Dächern und nicht gewerblich genutzten Flächen.
  • Keine Dächer mit Kupfer-, Zink- oder Bleideckung, je nach Land ganz ausgeschlossen oder nur bis zu einer Flächengrenze erlaubt.
  • Nicht in Wasserschutzgebieten (zum Teil mit Ausnahme der äußeren Zone) und nicht auf Altlasten.
  • Vorrang für flächenhafte Versickerung über bewachsenen Oberboden. Rigole und Schacht nur, wenn das nicht geht.
  • Genug Abstand zwischen Anlagensohle und Grundwasser, meist mindestens 1 Meter.

Was die Länder erlauben

LandRegelGrundlage
BayernErlaubnisfrei außerhalb von Wasser- und Heilquellenschutzgebieten und Altlasten; höchstens 1.000 m² befestigte Fläche je Anlage; vorrangig flächenhaft über Oberboden, Rigole oder Schacht nur mit Vorreinigung, wenn das nicht geht; Kupfer-, Zink- oder Bleiflächen über 50 m² nur mit zugelassener VorbehandlungNWFreiV
SachsenErlaubnisfrei auf dem Grundstück, auf dem das Wasser anfällt, für Dächer, Terrassen und nicht gewerbliche Flächen; nicht bei Kupfer-, Zink- oder Bleidächern, nicht in Trinkwasser- und Heilquellenschutzgebieten und auf AltlastenErlaubnisfreiheits-Verordnung
BerlinErlaubnisfrei außerhalb von Wasserschutzgebieten und in Zone III B; Sohle mindestens 1 m über Grundwasser; Mulden mit mindestens 30 cm bewachsenem Oberboden; Rigole oder Schacht für Dachwasser nur, wenn die Bodenpassage nicht möglich istNWFreiV Berlin
Schleswig-HolsteinOberirdisch (Fläche, Mulde) bis 1.000 m² befestigte Fläche erlaubnisfrei, unterirdisch (Rigole, Schacht, nur Dachflächen) bis 300 m²; bei Anschlusszwang zusätzlich Befreiung nötig§ 13 LWG SH
Rheinland-PfalzOrtsnahe Versickerung bis 10.000 m² erlaubnisfrei, wenn schadlos, etwa breitflächig oder in Mulden bis 30 cm Tiefe, keine Kupfer-, Zink- oder Bleidächer; ab 800 m² vorher anzeigen§ 44a LWG, ab 30.12.2025
Nordrhein-Westfalen (Köln)Mulde, Rigole und Schacht brauchen eine wasserrechtliche Erlaubnis; breitflächig über Rasen meist keine Erlaubnis, aber Anzeige§§ 8, 9 WHG
Hessen (Main-Kinzig-Kreis)Grundsätzlich erlaubnispflichtig; bei unproblematischer Dachfläche und mindestens 1 m gewachsenem Boden bis zum Grundwasser in der Regel keine Erlaubnis nötig§§ 8, 9 WHG

Eigene Zusammenfassung der Verordnungen und Merkblätter, Stand November 2026. Für NRW und Hessen geben die Kreise und Städte die Praxis vor, die Beispiele gelten nur dort. Zuständig ist die untere Wasserbehörde beim Landratsamt oder der kreisfreien Stadt.

Liegt dein Grundstück in einem Wasserschutzgebiet, frag immer bei der unteren Wasserbehörde nach. In Köln ist in den äußeren Zonen meist nur noch flächenhafte Versickerung oder eine Mulde möglich, in den inneren Zonen I und II ist Versickerung in der Regel unzulässig.

Boden, Abstand, Bemessung

Ob Versickerung funktioniert, entscheidet der Boden. Fachleute beschreiben seine Durchlässigkeit mit dem kf-Wert in Metern pro Sekunde. Das Merkblatt aus Schleswig-Holstein nennt diese Mindestwerte:

Anlagekf-WertSohle über Grundwasser
Muldemind. 5 × 10⁻⁶ m/smind. 1,0 m
Rigoleüber 1 × 10⁻⁶ m/smind. 1,0 m
Sickerschachtüber 5 × 10⁻⁶ m/smind. 1,5 m (Filterschicht)

Kreis Rendsburg-Eckernförde, Merkblatt 2026. Andere Länder können abweichende Werte vorgeben.

Kies und Sand erreichen solche Werte meist leicht. Bei Lehm und Ton versickert dagegen wenig, dann bleibt oft nur der Kanal oder eine gedrosselte Einleitung. Sicherheit gibt ein Bodengutachten. Köln und der Main-Kinzig-Kreis verlangen für den Antrag einen Nachweis der Versickerungsfähigkeit.

Bemessen werden Versickerungsanlagen nach dem Arbeitsblatt DWA-A 138-1. Es verbindet den Bemessungsregen am Ort, die angeschlossene Fläche und den kf-Wert. Als grober Anhalt braucht eine Mulde laut dem Merkblatt aus Schleswig-Holstein etwa 10 bis 20 Prozent der angeschlossenen befestigten Fläche. Bei Vollfüllung soll das Wasser höchstens 30 cm hoch stehen.

Zu Gebäuden und Nachbarn braucht jede Versickerung Abstand, damit kein Wasser in Keller oder fremde Grundstücke drückt. Köln nennt mindestens 2 m zum Nachbargrundstück und möglichst mindestens 6 m zu Gebäuden ohne wasserdichten Keller. Andere Behörden geben eigene Werte vor, frag vor der Planung nach.

Retentionszisterne mit Drossel

Darf ein Grundstück nur gedrosselt in den Kanal einleiten, kommt eine Retentionszisterne infrage. Sie hat zwei Bereiche:

  1. Nutzvolumen unten, wie bei jeder Zisterne für Garten oder Haus.
  2. Rückhaltevolumen darüber. Es füllt sich bei Starkregen und läuft über eine Drossel mit kleinem Querschnitt langsam in den Kanal ab, bis es wieder leer ist. Ein Notüberlauf verhindert, dass der Tank überläuft.

Garantia zum Beispiel bietet Retentionszisternen an, deren Ablaufdrossel bei der Bestellung auf einen Wert zwischen 0,05 und 2 Litern pro Sekunde eingestellt wird. Wie groß Rückhaltevolumen und Drosselabfluss sein müssen, gibt die Gemeinde vor, etwa im Bebauungsplan oder in der Entwässerungsgenehmigung. Welche Bauform zu deinem Grundstück passt, liest du unter Erdtank, Flachtank oder Betonzisterne.

So gehst du vor

  1. Prüfen, ob dein Grundstück in einem Wasserschutzgebiet liegt und was Bebauungsplan und Entwässerungssatzung vorgeben.
  2. Bodengutachten aus dem Hausbau ansehen oder den Boden untersuchen lassen.
  3. Landesregel für erlaubnisfreie Versickerung nachlesen oder die untere Wasserbehörde fragen.
  4. Mulde oder Rigole nach DWA-A 138-1 bemessen lassen und zusammen mit der Zisterne planen, siehe Zisterne einbauen.
  5. Die Abkopplung beim Abwasserbetrieb melden, damit die Niederschlagsgebühr sinkt.

Die Zisterne selbst ist in den meisten Ländern bis 50 m³ und 3 m Höhe baurechtlich verfahrensfrei (Brandenburg 30 m³), Details unter Genehmigung. Wie groß dein Tank sein sollte und wie viel Wasser übrig bleibt, rechnet der Zisternen-Rechner für deine Postleitzahl.

Häufige Fragen

Darf der Überlauf der Zisterne einfach in den Garten laufen?

Nicht unkontrolliert. Das Wasser darf weder Nachbargrundstücke noch die eigene Hauswand vernässen. Eine Mulde oder flächenhafte Versickerung auf dem eigenen Grundstück ist in mehreren Ländern unter Bedingungen erlaubnisfrei. Welche das sind, regelt dein Bundesland.

Brauche ich eine Rückstausicherung am Zisternenüberlauf?

Wenn der Überlauf an den Kanal angeschlossen ist, ja. Bei einem Regenwasserkanal genügt laut Wilo-Planungsunterlage ein Rückstauverschluss. Bei einem Mischwasserkanal und Rückstaugefahr ist eine Hebeanlage nach DIN 1986-100 nötig, damit kein Abwasser in den Speicher gedrückt wird.

Wie groß muss eine Versickerungsmulde sein?

Das Merkblatt des Kreises Rendsburg-Eckernförde nennt als Anhalt etwa 10 bis 20 Prozent der angeschlossenen befestigten Fläche, mit höchstens 30 cm Wasserstand bei Vollfüllung. Die genaue Größe hängt von Boden und örtlichem Regen ab und wird nach DWA-A 138-1 berechnet.

Was ist eine Retentionszisterne?

Eine Zisterne mit zwei Bereichen: Unten wird Regenwasser zur Nutzung gespeichert, darüber hält ein Rückhaltevolumen Starkregen fest und gibt ihn über eine Drossel langsam in den Kanal ab. Bei Garantia lässt sich der Drosselabfluss zwischen 0,05 und 2 Litern pro Sekunde wählen.